Materialien im Gewächshausbau

ImageDie Anforderungen in einem Gewächshaus kann man nicht mit dem in Wintergärten vergleichen. Wintergärten sind Wohnräume, Gewächshäuser "Feuchträume":

Durch die hohe Luftfeuchtigkeit, die im Gewächshaus auch unbedingt notwendig ist, sind die Anforderungen an die Materialien auch entsprechend hoch. Dazu kommen noch korrosive Pflanzenschutzmittel und Dünger.

 

Das Gerüst/Tragkonstruktion

Am Markt findet man Kunststoff-, Eisen/Stahl- und Aluminiumkonstruktionen:

Kunststoffgerüste sind sowohl aus statischen Gründen, als auch wegen der meist nicht besonders günstigen Dauerbeständigkeit, da meist nicht UV-beständig, kaum ernst zu nehmende Alternativen. Schon bei neuen Häusern biegen sie meist unschön durch, in vielen Fällen nicht Schneestabil, in wenigen Jahren durch UV-Licht so spröde dass sie buchstäblich "zerbröseln"

Eisen/Stahlgerüste können zwar bei entsprechender Ausführung durchaus gute statische Werte ausweisen, das Hauptproblem ist aber die Korrosion. Auch wenn mit Lack, Zink oder Kunststoffüberzügen versucht wird, Rost zu vermeiden, speziell im Bereich der Verschraubung und der Stöße kommt bald der Rost. Bis zum Auftreten statischer Probleme ist es zwar dann immer noch ein langer Weg, aber optisch sind solche Roststellen eben nicht besonders schön.

Korrosionsbeständig und auch auf Dauer haltbar sind Aluminiumkonstruktionen, sowohl in blanker Ausführung als auch beschichtet. Daher ist bei guten Gewächshäusern die ganze Konstruktion auch aus Aluminium (-sonder) Profilen und Edelstahlschrauben. Solche Gewächshäuser sind auch in 30, 40 Jahren sowohl optisch als auch technisch noch in Ordnung, die Edelstahlschrauben nach 40 Jahren nicht verrostet, und lassen sich auch noch öffnen.


Zur Verglasung:

Im Prinzip gibt es 2 Grundrichtungen: Glas und Kunststoff:

1. Glas

Bei Glas spricht man in Privatbereich, aber auch gewerblich, sobald Publikumsverkehr im Gewächshaus stattfindet ausschließlich von Sicherheitsglas! Auch wenn man speziell in Baumärkten FLOAT-Glas Varianten findet, trägt im Falle von Verletzungen (Glasscherben vom Dach sind wie Messer die herunterfallen und können lebensgefährlich sein) der Errichter bzw Eigentümer. So kann es zu empfindlichen Rückforderungen im Falle von Verletzungen von Krankenkassen kommen.

Glas (ESG) scheidet in der Regel aus, da Einfachverglasungen u-Werte jenseits von 6,5W/m²K haben und so praktisch nur einen Regenschutz darstellen. Sobald die Sonne nicht scheint passt sich die Innentemperatur fast unmittelbar der Außentemperatur an und so ist auch in der Übergangszeit eine Nutzung ohne Heizung mit den meisten Kulturen unmöglich.
Isolierverglasungen (auch Sicherheitsgläser!) sind in der Regel nicht UV-durchlässig, spezielle durchlässige Varianten schwer erhältlich und noch teurer als das ohnehin teure Isolierglas (außer extrem teure Sonderformen) Zudem wird die UV-Durchlässigkeit durch Weglassen der Wärmedämmbeschichtung erreicht, was dann aber wiederum deutlich schlechtere u-Werte zur Folge hat (In dre regel schlechter als entsprechende Doppelstegplatten).

Entsprechende Glasvarianten vorausgesetzt kann man Isoliergläser verwenden (Oft auch Kombinationen an Seitenwänden, an der die "Durchsicht" wichtig ist). Zu beachten ist statisch das hohe Gewicht, der aufwändige Einbau und nicht unbeträchtlichen Kosten

2. Kunststoffe/Stegplatten

Bei den Kunststoffen –Stegplatten - gibt es 3 Materialien: PVC, Polycarbonat (Markennahmen z. B. Makrolon,…)und Acryl (auch bekannt z.B. unter den Markennahmen Plexiglas oder Alltop – Fa. Röhm/Evonik).

PVC und Polycarbonat sind nicht UV-beständig. Sie verfärben sich rasch über Gelb/Brauntöne in Schwarz und werden spröde. Polycarbonate werden gerne, meist einseitig mit einer UV-Schutzschicht versehen – sind dann aber nicht mehr UV-durchlässig. Beim Einsatz bei z. B. Schwimmbadüberdachungen spielt das keine Rolle – man wird nur nicht braun darunter, bei Gewächshäusern ist das für die Pflanzen nicht so günstig.
Zudem "altern" beide Kunststoffvarianten, da sie produktionsbedingt Weichmacher enthalten die dann speziell, je wärmer es wird (Sonne), ausdünsten und so die Platten zunehmend spröder werden, bis sie am Schluss buchstäblich "zerbröseln". Die Haltbarkeit bei PVC liegt meist bei 5 Jahren, bei Polycarbonat je nach Materialstärke und Qualität bei 10-15 Jahren, wobei bei der Optik (Durchsicht/Verfärbung) schon deutlich früher Abstriche gemacht werden müssen.

Bei Acryl (PMMA/Plexiglas Alltop) ist sowohl die UV-Beständigkeit als auch die Durchlässigkeit gegeben. So sind die Doppelstegplatten zwischen 88 und 91% lichtdurchlässig, und zwar für das gesamte Lichtspektrum inklusive des kurzwelligen Blauspektrums. In der Praxis haben sich Platten mit 16 bis 20 mm Stärke durchgesetzt. 16mm sind die Standardplatten der Fa. Röhm. Wir kaufen nur das Granulat zu und fertigen eigene Platten mit 20mm stärke und größeren Wandstärken. So konnte die u-Wert (Dämmung) verbessert werden und zusätzliche Stabilität gewonnen werden, ohne dass die Lichtdurchlässigkeit gelitten hat. Die Gläser werden an den Enden mit Diffusionsbändern abgeklebt, die zum einen das Austreten des Kondenswassers aus den Stegplatten zulassen, das Eindringen von Moos und Ungeziefer reduzieren und die Dämmwirkung, durch das Unterbinden der Luftströmung verbessern.

Ein Gewächshaus heizt sich hauptsächlich aus 2 Quellen – die aufsteigende Erdwärme (Isolierfundament nötig) und die Sonne. Heizungen sind nur zum Überbrücken längerer Sonnenpausen (Wolken, Nebel) und sehr kalter Nächte und sollten, außer die Ansprüche sind sehr hoch (+10° oder mehr) am Tag die Ausnahme sein.